Erfahrungen mit Praktikawelten von Sabine – Freiwilligenarbeit in Guatemala
Sabine M. hat zehn Monate Freiwilligenarbeit im Bereich Sozialarbeit mit Kindern in Guatemala geleistet. Hier ist ihr Erfahrungsbericht:
„Vor meinem Abflug hatte ich keine besonderen Erwartungen. Da dieser Aufenthalt der erste für mich in Guatemala und Zentralamerika war habe ich alles auf mich zukommen lassen und bin bewusst “erwartungsfrei” in dieses Abenteuer eingestiegen. Ich war vor meiner Abreise nicht nervös, das lag auch daran, dass ich durch die Mitarbeiter von Praktikawelten gut auf die Reise vorbereitet und begleitet wurde.
Die Zeit in meinem Projekt war sehr schön, aber anders, als ich dachte. Die Arbeit mit den Kindern hat sehr viel Spaß gemacht. Die Kinder sind offen, sehr neugierig und leicht zu motivieren. Leider hatte ich den Eindruck, dass die Mitarbeiter, also die Hausfamilie des Kindergartens nicht besonders viel mit den Freiwilligen spricht und nicht besonders an ihnen interessiert ist. Dies liegt an den Sprachhemmnissen und führt dazu, dass man sich mehr mit den anderen Freiwilligen unterhält, was aber für die Sprachpraxis nicht besonders förderlich ist.
Das Schönste und Spannendste an meinem Aufenthalt war aber auch, dass ich so viele Menschen aus allen Teilen der Welt kennengelernt und viele neue Freundschaften geschlossen habe.
Die Freundlichkeit und Offenheit der Einheimischen fand ich bewundernswert. Ich denke, dass wir eine Menge von den Menschen dort lernen können.
Mein typischer Tagablauf im Kindergarten sah ca. so aus:
- 7 Uhr Frühstück in der Gastfamilie
- mit dem “Chickenbus” zum Kindergarten nach Jocotenango
- 8 Uhr Arbeitsbeginn
- Frühstück mit den Kindern
- aufräumen und Zähneputzen (soweit Zahnbürsten und Zahnpasta vorhanden waren)
- Die kleineren Kinder betreuen, während die Maestra mit den größeren schulvorbereitende Aufgaben gemacht hat.
- 10 Uhr Zwischenmalzeit (Früchte)
- anschließend Gruppenspiele oder Basteln
- 12 Uhr Mittag
- gemeinsames Abräumen, waschen und Zähneputzen
- 13 Uhr Mittagsschlaf
Wir Freiwilligen haben i.d.R. bis 13:00 und z.T. auch nachmittags gearbeitet.
Meiner Erfahrung nach werden die Freiwilligen manchmal nur als “Geldgeber” betrachtet nach dem Motto: Wir können leider den Kindergeburtstag, Weihnachtsfeier nicht ausrichten, wenn du die Geschenke etc. nicht kaufst… Bei solchen Anfragen rate ich anderen Freiwilligen, sich immer an die Leitung, bzw. an die Organisation zu wenden und solche Dinge abzusprechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Organisation über solche “Spendenanfragen” von den Hausfamilien gar nicht informiert ist. Ich hatte zu Beginn viele Sachen, insbesondere Hygieneartikel, für den Kindergarten eingekauft, wovon ein großer Teil einfach verschwunden ist. Wenn man etwas Spenden möchte, rate ich, dies immer in Absprache mit der Leitung zu machen. Die gekauften Dinge werden dann registriert und man kann eine Spendenquittung erhalten.
Das Team vor Ort hat da echt geholfen. Als Koordinatorin und Ansprechpartnerin hat Praktikawelten eine sehr kompetente Mitarbeiterin, die die Freiwilligen mit Humor und Sachverstand in eine neue Welt begleitet.
Ich habe nach drei Monaten die Gastfamilie gewechselt und war anschließen 7 Monate in meiner zweiten Gastfamilie. Beide Gastfamilien waren sehr nett. In meiner zweiten Gastfamilie hat sich zudem ein sehr freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. Wir stehen auch heute noch in Kontakt.
In der Freizeit haben wir auch einiges unternommen:
-Wochenend- und Ferientouren zu Sehenswürdigkeiten in Guatemala und den anderen Ländern Zentralamerikas.
- Spielabende in der Familie
- Kneipenbesuche mit Freuden, Kino etc.
- Kulturelle Sehenswürdigkeiten
Alles in allem war der Aufenthalt richtig super! Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit für diesen Auslandaufenthalt hatte. Die erworbenen Sprachkenntnisse und der andere Blickwinkel auf die Dinge, den ich erhalten habe ist etwas, was mich jetzt, nach meiner Rückkehr und sicher auch in Zukunft stärken wird. Und wenn es mal wieder nicht so läuft wie geplant…dann warte ich halt auf den nächsten Chickenbus…
Zukünftigen Freiwilligen möchte ich mitgeben – denkt daran, dass ihr euch in einem Entwicklungsland befindet! Bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von vielleicht 200,- bis 300,- Euro in Guatemala, finde ich es nicht besonders angebracht, häufige Shoppingtouren zu unternehmen und den Gastfamilien stolz die “Schnäppchen” unter die Nase zu halten mit den Worten: Das Teil war total billig, hat nur 40 Euro gekostet!
Ich würde mir wünschen, dass die “Freiwilligen” sich sensibel auf die Menschen und die Gegebenheiten einlassen und auch ihr Konsumverhalten anpassen. Dass sie sich bewusst machen, in welchem Land sie sich befinden.
Es fehlte an Hygienemitteln in den Einrichtungen. Ich hatte Schreibmaterial Spielsachen für die Kinder aus Deutschland mitgebracht. Diese und andere Sachen kann man aber auch dort kaufen und zudem wesentlich günstiger. Ich würde anderen Freiwilligen empfehlen nichts mitzubringen, sondern in die Projekte zu gehen, sich zu orientieren und dann evtl. vor Ort die notwendigen Dinge einzukaufen.“
Möchtest du auch einen Erfahrungsbericht über deinen Auslandsaufenthalt in Lateinamerika veröffentlichen? Schick ihn uns einfach per Email an info@freiwilligenarbeit-lateinamerika.de









